Novos entstand aus der Begegnung mit historischen, im Hochdruckverfahren gedruckten Originaltexten in der Universitätsbibliothek – darunter ein italienisches Buch von Jao de Villeneuve aus dem 18. Jahrhundert sowie ein Werk über Johannes Gutenbergs Erbe. Als erste eigene Schriftfamilie sollte sie die Wurzeln der klassischen römischen Antiqua aufgreifen, bevor ich mich Grotesk-Schriften zuwende – denn Leseverhalten prägt sich über Generationen, nicht über wenige Jahre. Die Schrift übernimmt die geringe x-Höhe des Originals, was ihr eine fast altmodische Anmutung verleiht, gleicht dies aber durch einen stärkeren Kontrast zwischen Versalien und Oberlängen aus. Die Formen sind bewusst grob gehalten – in Anlehnung an die groben Bleilettern der Vorlage – und verleihen den Buchstaben eine klare Unterscheidbarkeit. Die Großbuchstaben wirken durch ihre eigene, weite Laufweite fast wie ein eigenständiges Element. Die reguläre Schnittversion ist als Kompromiss zwischen historischem Charakter und zeitgemäßer Lesbarkeit gedacht – ideal für lange Fließtexte. Die Kursive greift die ursprüngliche Funktion auf: Hervorhebung und individueller Ausdruck. Ihr schlampiger, punkiger Charakter wurde abgemildert, einzelne „Fehler“ des Originals aber bewusst erhalten.



